Historische Vereinigung Wynental

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aktualisiert: 05.01.2016

   Monatsbeiträge / Die Anfänge der Trostburg

   Autor: Felix Graser download PDF (142KB)  

Vieles in der Trostburger Stammes- und Baugeschichte ist vage. Nur wenige gesicherte Daten sind vorhanden. Der Rest ist Ergänzung, die auf anderen historischen Quellen oder Erkenntnissen fusst.

Am 28. Mai 1241 wird Burkhart I. als Angehöriger der Trostberger urkundlich erwähnt als Zeuge unter den kiburgischen Ministerialen. 1253 siegelt er dann erstmals als “Burchardus Barhandus de Trostberc”. Es handelt sich dabei um die früheste Erwähnung der Trostburg in den Quellen.

Vermutlich waren die Erbauer und ersten Besitzer der Trostburg die Herren von Trostberg. Über die Ursprünge der Trostberger und ihre Stammburg ist wenig bekannt. Belegt ist lediglich eine enge Stammverwandtschaft zu den Herren von Liebegg. Dazu gibt es heraldische Nachweise. Ursprünglich führten beide Geschlechter das gleiche Wappenschild: Auf rotem Grund drei weiss-blau zweimal geschachtete Pfähle unter gelbem Schildhaupt. Als sich das Geschlecht später trennte, führten die Trostburger noch zwei Pfähle im Wappen, die Liebegger einen. Ein gelbes Büffelhorn mit drei aufgesetzten Rosen war Wappenzier der Trostberger.
Auch Hinweise auf Lehen und Grundbesitz im Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich (Bd. III )sind Zeichen für eine nahe Verwandtschaft. Laut dieser Quelle treten beide Geschlechter schon 1242 als Besitzer gemeinsamer Güter auf. Überdies sind Lehen der Freien von Freienstein und der Freien von Klingen nachgewiesen. Stammsitz der beiden Zweige war die lehensfreie Trostburg.

Wappenschild der Trostberger
Wappenschild der Trostberger

Kiburgische Dienstmannen
Die Trostburger Linie war wohl die ältere und beanspruchte deshalb die Stammburg des Geschlechts für sich. Der "erste Trostburger" ist ein unbekannter Adliger, der in der Zeit des ausgehenden 12. Jahrhunderts gelebt haben muss. Als kleiner Grundherr hat er seine Burg auf eigenem Rodungsland erbaut. Die Datierung des ersten Burgbaus ist eine Annahme und baugeschichtlich am Bestand der heutigen Burg nicht belegt. Besitz und erste Burgbauten waren ein Gut, das zweifellos zu gering war, um eine eigene Herrschaft mit einer gewissen Machtstellung aufzubauen. Es ist daher anzunehmen, dass er sich von mächtigeren Adeligen belehnen liess und mit dem Eintritt in die Dienstmannenschicht ein Abhängigkeitsverhältnis einging. In verschiedenen Quellen treten die Trostberger später als kiburgische Dientsmannen auf.
Die Begründer der beiden Linien sind nicht bezeugt. Man nimmt an, dass sie Brüder - die Söhne des ersten Trostbergers - waren und in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gelebt haben. Eine Anlehnung an ein einflussreiches Adelsgeschlecht war für diese Nachfahren überlebenswichtig. Der urkundlich nicht belegte jüngere Sohn hat sich wohl beim Haus Habsburg-Laufenburg umgesehen. Er erhielt die Burg Liebegg und die Hälfte des Twings zu Liebegg zu Lehen. Künftig nannte sich sein Geschlecht nach der Burg von Liebegg. Der ältere Sohn des "ersten Trostbergers" und seine Nachfahren lebten weiterhin auf der Trostburg. Soweit die mit einigen Ergänzungen und Mutmassungen durchsetzten Fakten.

(Quellenangabe: Ann Barbara Blumer, Chronik der Trostburg, 1986)

Volkstümliche Gründungssage
Wo wenig verlässliche Quellen sind, blühen Spekulationen und Fantasien. Rund um die Trostburg gibt es viele Geschichten, Legenden und auch eine veritable Sage von der Entstehungsgeschichte von Liebegg und Trostburg. Sie wird mit unterschiedlichsten Facetten erzählt, ist auch in verschiedenen Versionen niedergeschrieben worden. Die nachstehende Fassung integriert die gängigen Varianten der Gründungssage zu einer volkstümlich romantischen Novelle.
Dort wo sich heute das Rathaus von Aarau befindet, stand vor langer Zeit die Burg des reichen Grafen Landolus. Er herrscht über die Grafschaft Rore, zu der auch die Gegend des heutigen Wynentals gehörte.

Seine Gemahlin entstammte dem Hause Habsburg. Ihre Tochter Gertrud war eigentlich nicht das leibliche Kind der beiden Eheleute. In Kriegswirren war Gertrud als Kleinkind ihrem jetzigen Vater Landolus in Rätien anvertraut worden. Inzwischen war Gertrud nahezu erwachsen und begleitete ihren Vater oft auf der Jagd.

Die Streifzüge über die Hügel gegen den See hinauf gefielen ihr besonders. Diesen Weg schlugen sie auch an einem warmen Frühlingstag ein. Landolus hatte die Spur eines Wildes entdeckt. Gertrud wartete auf einer sonnigen Sandfelsenbank auf die Rückkehr ihres Vaters. Während sie vor sich hin träumte, trat aus dem nahen Gehölz ein junger Rittersmann. Er war vom Weg abgekommen und hatte sich verirrt. Erschrocken sprang Gertrud auf. Der Fremde beruhigte sie, er wolle bloss nach dem Weg fragen. Weil Gertrud ihm dazu aber keine genaue Auskunft geben konnte, beschlossen die beiden die Rückkehr von Landolus abzuwarten. Der junge Ritter begann von sich und seinem Missgeschick zu erzählen.

Dietrich von Disentis
Er hiess Dietrich und war der Sohn eines Grafen von Disentis in Rätien. Seine Reise sollte eigentlich ins Frankenland führen. Dort wollte er im Heer des fränkischen Königs Clodoväus Kriegsdiente leisten. Unterwegs machte sein Pferd einen Fehltritt, stürzte und erlag den dabei erlittenen Verletzungen. Dietrich blieb unverletzt und setzte seinen Weg zu Fuss fort. In den dichten Wäldern hatte er sich verirrt und war jetzt zufällig auf Gertrud gestossen. Sie erschien ihm wie ein Engel in der Not. Beim Erzählen verging die Zeit.

Der Abend nahte, und der Vater war noch immer nicht zurückgekehrt. Gertrud änstigte sich. Als die Sonne untergegangen war, machten sich die beiden allein auf den Heimweg. Dort hatte man über den Verbleib von Landolus auch nichts vernommen. Eine Suche in der näheren Umgebung war erfolglos. Am nächsten Morgen klopfte es in aller Frühe an Tor. Ein Bauer begehrte Einlass und berichtete, er habe den Grafen schwer verletzt im Wald aufgefunden. Ein Bär hatte ihn angefallen. Gertrud, Dietrich und ein Knecht sattelten die Pferde und ritten mit dem Bauern zu dessen Hof. Auf einem Strohbett lag der verletzte Graf, Arme und Beine mit blutigen Tüchern umwickelt. Sorgsam packte man ihn auf eine gezimmerte Notbahre und brachte ihn auf die Burg Rore. Landolus erholte sich nur langsam von seinen Verletzungen. Tagelang war er bewusstlos und erzählte in fiebrigen Träumen wirre Geschichten.

Dietrich hatte es unter diesen Umständen nicht mehr eilig ins Frankenreich zu kommen. Er blieb und übernahm Pflichten in Hof, Stall und bei der Verwaltung der gräflichen Ländereien. Es gab auch einen weiteren Grund für sein Bleiben. Getrud hatte es ihm angetan. Die Liebe war gegenseitig. Das war auch Gertruds Eltern nicht verborgen geblieben. Landolus schätzte den jungen Mann. Sie hatten während seiner Genesungszeit manche kurzweilige Stunde erlebt. So überraschte es niemanden auf Burg Rore, als Dietrich eines Tages um die Hand der Tochter anhielt. Gegen eine Heirat hatte Landolus nichts einzuwenden.

Die Liebegg als Hochzeitsgeschenk
Als Hochzeitsgeschenk liess der Graf an der Stelle, wo sich die Glücklichen zum ersten Mal getroffen hatten, eine Burg bauen: Hoch über dem Tal auf dem sonnigen Felsvorsprung. Als die obrigkeitliche Bewilligung eintraf, begann man unverzüglich mit dem Bau. Die Bauarbeiten nahmen einige Zeit in Anspruch, lag der Bauplatz doch in einsamem, unwegsamem Waldgebiet. Auf Gertruds Wunsch sollte die neue Burg den Namen “Liebegg” erhalten, zur Erinnerung an die erste Stunde ihrer gemeinsamen Liebe.


Stich der Liebegg
Stich der Liebegg
Kurz vor der Fertigstellung der Burganlage verstarb Graf Landolus unerwartet. Er hatte sich nie ganz von den Folgen des Jagdunfalls erholt. Auf Burg Rore herrschte grosse Trauer. Trotzdem bereiteten Gertrud und Dietrich ihre Hochzeit vor. Es sollte ein schlichtes Fest geben. Nur die nächsten Verwandten wurden als Gäste eingeladen. Auch Dietrichs Vater in Disentis wurde durch einen Boten einen Einladung überbracht. Er liess ausrichten, dass er verhindert sei, am Hochzeitsfest teilzunehmen.

Er werde den Jungvermählten aber zu einem späteren Zeitpunkt seine Aufwartung machen. Das junge Paar wurde getraut. Während der Trauungsszeremonie geschah etwas Seltsames. Ein goldener Ring, den Gertrud von ihrem leiblichen Vater im Wiegenalter geschenkt bekommen hatte, fiel ihr vom Finger und brach entzwei. Im Innern kam ein kleines Miniaturbildchen zum Vorschein: Das Gesicht einer Frau, die Gertrud sehr ähnlich sah. Ein zerbrochener Ring galt allgemein als schlechtes Omen und die Liebenden wurden von bösen Vorahnungen gepackt. Die Hochzeit wurde gefeiert und Schloss Liebegg als neues Wohnheim bezogen. Wenige Wochen später kam auch der langersehnte Gast aus Disentis angereist.

Geschwistertragik
Voll Freude hiess Dietrich seinen Vater willkommen und stellte ihm seine Gattin Gertrud vor. Da geschah etwas Unerwartetes. Statt sich zu freuen, erstarrte der Graf und schaute fragend von Gertrud zu Dietrich.

Als man ihm schliesslich die Miniatur aus dem goldenen Ring zeigte, erkannte er Gertruds Mutter. Nach einer bangen Weile stammelte er entsetzt: “Die Götter seien mir gnädig! Dies sind beide meine Kinder!” Niemand der Umstehenden konnte sich sein eigenartiges Verhalten erklären, niemand verstand den Sinn seiner Worte. Erschrocken blickten sich Gertrud und Dietrich an. Sie ahnten ein Unheil.

Nachdem sich der Graf etwas gefasst hatte, setzten sie sich in den Schlossgarten. Stockend begann er zu erzählen: “ Einige Zeit nach dem Tod von Dietrichs Mutter lernte ich wieder eine Frau kennen. Wir wollten heiraten. Kriegerische Ereignisse und familiärer Streit verhinderten das. Die Geburt unseres Kindes musste geheim gehalten werden. Das Leben des kleinen Mädchens war bedroht. Und so übergaben wir die kleine Gertrud heimlich meinem Freund Landolus von Rore als Waisenkind. In seiner Familie wuchs unser Kind auf.” Kurze Zeit später starb Gertruds leibliche Mutter an einer Krankheit. Dietrich war der Sohn des rätischen Adeligen aus erster Ehe. “Dietrich und Gertrud, ihr seid Geschwister!” beendete der Graf seine tragische Geschichte. Die unerwartete Mitteilung löste auf der Liebegg Unverständnis und Schmerz aus. Gertrud und Dietrich hatten Schuldgefühle. Man beriet hin und her. Schweren Herzens entschlossen sich die beiden schliesslich, ihre Tauung aufzulösen. Mit der Erlaubnis des Grafen von Habsburg durften sie die Liebegg als Geschwister bewohnen. Der Graf von Disentis verabschiedete sich bald von der Liebegg. Er war mit freudiger Erwartung gekommen und reiste nun als unglücklicher Bote einer ungewollten Schreckensnachricht in seine Heimat Rätien zurück.

Eine neue Burg zum Trost
Die Liebegger lebten zurückgezogen auf ihrem Schloss. Sie pflegten aber guten Kontakt mit ihren adeligen Nachbarn. So auch mit dem jungen Theoderich von Rynach. Er kam oft auf der Liebegg vorbei. Im Heer des fränkischen Königs Clodoväus hatte er schon Dienst geleistet. Gern hörte Dietrich ihn von seinen Abenteuern erzählen. Man lebte in gegenseitiger Freundschaft. Und niemand ahnte vorerst, welchen Grund der junge Rynacher noch hatte für seine Besuche, bis er sich eines Tages um die Hand von Gertrud bewarb. Er konnte ja nicht ahnen, dass er damit die Unbeschwertheit auf Schloss Liebegg störte. Gertrud wies ihn zurück. Zu stark war die Erinnerung an die Schicksalsfügung mit ihrem Bruder. Erst nach Gesprächen mit Dietrich und ihrer Mutter konnte sie sich vom Vergangenen lösen und Theoderichs Zuneigung erwidern. Der Freiherr von Rynach, Theoderichs Vater, war entzückt vom jungen Paar. Noch bevor die Hochzeit geplant wurde, liess er auf seinem Grund und Boden, nur wenige Gehminuten von der Liebegg entfernt ein neues Schloss bauen. Es sollte das neue Heim für Theoderich und Gertrud werden.

Zur Hochzeit wurden viele adelige Gäste und auch die Lehensbauern eingeladen, die beim Schlossbau geholfen hatten. Der Graf von Disentis liess sich entschuldigen. Er mochte im hohen Alter die Reisestrapazen nicht mehr auf sich nehmen. In einer feierlichen Zeremonie wurde dem Brautpaar das Schloss übergeben. Der Freiherr von Rynach hatte ihm den Namen “Trostburg” gegeben. Er hoffte, Gertrud erfahre hier Trost nach den Wirren der Vergangenheit.
Stich der Trostburg
Stich der Trostburg

Auf der hohen Zinne flatterte die bekränzte Fahne. Herrlich geschmückt waren alle Räume. Die Wände des Festsaals zierten Porträts von Theoderichs und Gertruds Eltern. Die Gäste erfreuten sich an der reichlich gedeckten Festtafel. Bis spät in die Nacht wurde auf der Trostburg gefeiert , gejubelt und getanzt.

Um Mitternacht wurde die Hochzeitsgesellschaft durch lautes Pochen an der Saaltür aufgeschreckt. Die Wände erzitterten und plötzlich fiel das Porträt von Gertruds und Dietrichs Vater von der Wand. Man ahnte nichts Gutes, sah vor dem Tor nach, entdeckte aber nichts. Die Wächter suchten den Schlosshof ab. Keine Seele war weit und breit. Das Fest ging zwar weiter, die seltsamen Schläge hatten aber die Freude getrübt.

Wenige Tage später brachte ein Bote die Nachricht, der Graf von Disentis sei verstorben. Erneut kamen Leid und Trauer über die beiden Schlösser. Dietrich reiste zum Begräbnis seines Vaters nach Rätien und erwies ihm die letzte Ehre. Dort erfuhr er dann auch, dass der alte Graf in der Nacht des Hochzeitsfestes um Mitternacht gestorben war. Kurz vor dem Tod habe er nochmals laut die Namen seiner beiden Kinder Dietrich und Gertrud gerufen. Auf Schloss Trostburg hatte man nun eine Erklärung für die geheimnisvollen Schläge in jener Nacht. Kurze Zeit später kehrte sich das Glück auch Dietrich zu. Er erwählte Kunigunde von Steinegg zu seiner Frau. Leid und Trauer schienen nun endgültig von Liebegg und Trostburg verbannt zu sein.