Historische Vereinigung Wynental

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aktualisiert: 05.01.2016

   Zeitungsartikel / Im Bann historischer Kleinodien

   Wynentaler Blatt, 19.09.17

Herbstexkursion der historischen Vereinigung Wynental

Die jährlich wiederkehrende Herbstexkursion der Mitglieder der historischen Vereinigung Wynental führte nach Triengen ins Gemeindearchiv und die Firma Muff, Kirchturmtechnik.

(Eing.) Dieses Jahr führte die Herbstexkursion nach Triengen, ins benachbarte luzernische Suhrental. Am Vormittag traf sich die historisch interessierte Schar im illustren Gemeindearchiv im Trienger Ortsteil Wilihof. Gemeindearchivar und Alt-Gemeindeammann Franz Kost führte, anhand ausgewählter Exponate, äusserst eloquent und spannend durch die lokale Dorfhistorie.

Von römischen Mosaiken und spätmittelalterlichen Bauten, über die Gründung der Sursee - Triengenbahn, bis zum bekannten Fliegerabschuss / Absturz während des 2. Weltkrieges, findet alles im Dorfmuseum seinen Niederschlag.

Herzblut und Engagement
Franz Kost zog mit viel Herzblut und Engagement die Besucher in den Bann seiner historischen Kleinodien. Anhand von alten Fotos erfuhr man beispielsweise etwas über das ehemalige Luftkurhotel «Bellevue» auf der Anhöhe oberhalb Triengens, dem heutigen bescheideneren Gschweich.

Besonderes Gewicht in Kosts Ausführungen erfuhren die bekannten «Spahis». Ein nordafrikanisches Reiterbatallion in französischen Diensten, das zu Beginn des 2. Weltkrieges in der Pruntruter Grenzregion in tödliche Bedrängnis geriet.

Gemeindearchiv Triengen: Franz Kost in seinem reichen Dorfmuseum.
Gemeindearchiv Triengen: Franz Kost in seinem reichen Dorfmuseum.

Ähnlich wie die Bourbaki-Armee, wurde es von der Schweizer Armee entwaffnet und über die Schweiz verteilt an ausgewählten Orten interniert. In Triengen sorgten die exotischen Nordafrikaner vor allem in der Damenwelt für Furore. Immerhin mussten nebst dem Dorfpfarrer auch Angehörige der Schweizerarmee für säuberliche Trennung der unterschiedlichen Welten sorgen.

Als der endgültige Abschied folgte, wurden die Spahis mit der Sursee - Triengen- Bahn nach Sursee befördert. Für eine stattliche Schar junger Triengerinnen war eigens der hinterste Wagen für deren Begleitung reserviert. Es kam jedoch anders als erwartet. Der Zug mit den rassigen Algeriern setzte sich in Bewegung und der hinterste Wagen mit den weinenden Trienger Mädchen blieb abgehängt auf dem Geleise stehen.


Kirchturmtechnik: Oskar Näpflin vor einem seiner zahlreichen historischen
Grossuhrwerke.
Kirchturmtechnik: Oskar Näpflin vor einem seiner zahlreichen historischen
Grossuhrwerke.
Turmuhren und Schlagwerke
Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Restaurant Bahnhöfli stand der Besuch der in Triengen ansässigen Firma Muff, Kirchturmtechnik an. Äusserst kompetent führte Oskar Näpflin durch das firmeneigene «Museum für historische Zeit» mit seinen zahlreichen alten Turmuhren und Schlagwerken. Anschliessend konnten die heutigen Produktionsanlagen besichtigt werden. Für Kirchen in ganz Europa werden elektrifizierte Grossuhren und Läutmaschinen hergestellt und ebenso viele restauriert.

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts waren die Turmwächter wegen häufiger Trunkenheit und der daraus folgenden Unzuverlässigkeit von den Grossuhren und Schlagwerken abgelöst worden. Der Gründervater der Firma Muff hatte Anfang des letzten Jahrhunderts einen guten Riecher, als er die Elektrifizierung eben dieser Uhren und Schlagwerke einführte und gleich noch patentieren liess.

Glocken werden in Triengen keine gegossen. Hingegen hat sich die Firma Muff nebst den Uhrwerken auf das Schmieden von Glockenklöppeln spezialisiert. Der «Kuss» des Klöppels mit der Glocke – so wird das Anschlagen genannt – ist für den Klang vom Kirchturm her entscheidend. Pro Jahr werden in Triengen zwischen 600 und 700 Klöppel gefertigt.

Bald wird für die Historische Vereinigung Wynental wieder die Stunde schlagen, wo man auf die nächste Zeitreise eingeladen wird.