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aktualisiert: 05.01.2016

   Genealogie / Häfeli

   Gontenschwil (Autor: Rolf Bolliger) download PDF (135KB)  

In der letzten Jahresschrift unserer Vereinigung wurden die Anfänge der Familien Häfeli von Gontenschwil ausführlich beschrieben. Wir wollen an dieser Stelle ihre weitere Ausbreitung, insbesondere die des «Lenzmüller Stammes» näher beleuchten.
Lenzmühle und ihre Gebäude
Lenzmühle und ihre Gebäude

Heinrich Häfeli II (*1730), Lenzmüller und Wirt, verheiratete sich 1754 mit Verena Wildi, Tochter des Müllers von Suhr. Diese hatte er vermutlich auf seinen Lehr- und Wanderjahren als Müllergeselle kennen gelernt. Heinrich hatte keine Ämterlaufbahn vorzuweisen wie sein Vater, scheint aber ein sehr erfolgreicher Berufs- und Geschäftsmann gewesen zu sein. Nach der Hochzeit der älteren Tochter Anna Maria mit Hans Rudolf Steiner übergab Heinrich sein Tavernenrecht den jungen Eheleuten, welche dieses auf ihr Haus an der Spyrstrasse übertrugen. Der Grundstein der Wirtedynastie Steiner war gelegt. Noch heute wird von den Gontenschwilern das Haus Nr. 11 an der Spyrstrasse als der alte Löwen bezeichnet.
Verena, die zweite Tochter Heinrichs, hatte sich mit Jakob Frey verehelicht. Dieser erwarb 1791 im Auftrag seines Schwiegervaters das Nachbarhaus der Lenzmühle (heute Nr. 86) von der Witwe Jakob Hunzikers. Es ist zu vermuten, dass Verena und ihre Familie das Haus fortan auch bewohnten.


Wappen von 1789, auf einem Bauernschrank von Heinrich Häfeli und Verena Bolliger, Farben nach Rolf Bolliger.
Wappen von 1789, auf einem Bauernschrank von Heinrich Häfeli und Verena Bolliger, Farben nach Rolf Bolliger.
Der einzige Sohn von Heinrich Häfeli, Heinrich III, ging 1789 die Ehe mit Verena Bolliger ein. Diese, Tochter des Kirchmeiers und reichsten Gontenschwilers Heinrich Bolliger, brachte wohl eine ordentliche Mitgift in die Lenzmühle, so dass die junge Familie mit hervorragenden Bedingungen ins Geschäftsleben starten konnte. Was man nicht kaufen kann, ist die Gesundheit, und mit der stand es bei Heinrich III nicht zum Besten. Schon Ende des Jahres 1804 litt er unter starkem Durchfall, über Monate kämpfte er mit einer nicht näher bekannten Krankheit, die seinen Körper völlig entkräftete. Im März 1806 starb er erst 42-jährig und hinterliess seiner Frau drei unmündige Kinder und den Mühlebetrieb. Die Witwe Verena Häfeli-Bolliger führte den Betrieb erfolgreich in eigener Regie weiter, liess sogar 1817 das Mühlegebäude neu aufbauen. Ihr einziger Sohn Heinrich IV (*1793) war 1815 als Lehenmann der Mühle ins elterliche Geschäft eingestiegen.

Die Töchter hatten sich beide ausserhalb des Dorfes verheiratet. Anna Maria mit dem auf den Schoren in Oberkulm wohnhaften Handelsmann Johann Jakob Amsler von Schinznach, Anna mit Rudolf Richner, Notar in Aarau.

Heinrich IV schloss 1813 den Bund fürs Leben mit Maria Bolliger, Tochter des Kirchmeiers Samuel Bolliger. Sie schenkte ihm in den folgenden Jahren vier Söhne und vier Töchter. Im Januar 1823 wurde Heinrich vom Pächter zum Besitzer der Lenzmühle. Er musste seine beiden Schwestern mit je Fr. 9 250.-- auskaufen. Die Mutter behielt das Wohnrecht in der Mühle; sie starb 1849 im hohen Alter von achtzig Jahren.
Brunnen bei der Mühle, 1791 von Heinrich Häfeli errichtet.
Brunnen bei der Mühle, 1791 von Heinrich Häfeli errichtet.

Die finanzielle Belastung zwang Heinrich ein Stück Land nach dem anderen zu veräussern, im ganzen zwölf Parzellen.
Erst eine Erbschaft brachte die unverhoffte Wende. Aus dem Nachlass der 1834 und 1835 verstorbenen Eltern fiel seiner Ehefrau Maria die erhebliche Summe von Fr. 8 671.-- zu. Schwer traf das Schicksal die zehnköpfige Familie im Jahre 1840 mit dem plötzlichen Tod des Vaters. Die Kinder waren im Alter zwischen elf und fünfundzwanzig Jahren. Mit Mut und Voraussicht packte die Witwe ihre neuen Aufgaben an. Sie vergrösserte und verbesserte den Betrieb, kaufte gutes Ackerland, liess eine neue Sägemühle errichten und erbaute zwischen Mühle und Säge ein zweistöckiges Wohnhaus mit Bäckerei (heute Nr. 84).
Über drei Generationen waren die Betriebe der Lenzmühle jeweils in der Hand des einzigen männlichen Nachkommens geblieben. Dies änderte sich 1851 mit der Erbabtretung von Maria Häfeli-Bolliger. Die vier Töchter wurden von ihren Brüdern: Heinrich, Gottlieb, Wilhelm und Rudolf ausgekauft. Während sich Rudolf und Wilhelm auf der Getreidemühle festsetzten, übernahm Gottlieb das Bäckereigebäude. Heinrich, dem Ältesten, fiel die Sägemühle mit dem daneben stehenden Wohnhaus zu.

Heinrich V (*1815), verheiratet mit Maria Elisabeth Zehnder von Holziken, hatte den Geschäftssinn seiner Vorfahren nicht geerbt. Schon vier Jahre nach Übernahme der Sägerei geriet der Holz- und Eisenbahnschwellen-Händler in den Geldstag. Er zog mit Frau und sieben Kindern aus dem Dorf, sein weiterer Aufenthaltsort ist leider nicht bekannt. Beide Eheleute verstarben sehr früh, die Kinder wurden an Verwandte verteilt. Die drei Jüngsten kamen zu ihrer Großmutter auf die Lenzmühle, wo sie eine schöne Jugend verbrachten. Von den vier Söhnen des Ehepaars Häfeli-Zehnder hatten nur zwei Nachkommen. In der Enkelgeneration ist 1954 mit Alfred Häfeli der letzte männliche Nachkomme dieses Zweiges gestorben.

Rudolf (*1824), der Müller, verheiratete sich 1849 mit der Gontenschwilerin Elisabeth Steiner. Sie gebar ihm zehn Kinder, wovon drei früh starben. Die Söhne Theodor und Otto erlernten beide den Müllerberuf, waren zeitweise in Zürich ansässig und wanderten später nach Amerika aus. Über ihre Nachkommen ist leider nichts bekannt. Einzig Wilhelm (*1861) gründete mit Elisabeth Brenner im Kanton Zürich einen weiterführenden Familienzweig. Von ihren neun Kindern war es ein Einziges, wiederum Wilhelm (*1888) geheissen, welcher die Linie weiterführte. Auch dem Letztgenannten war nur ein Sohn beschert, nämlich der 1920 in Männedorf geborene Wilhelm Alfred. Seine Nachkommen sind heute im Kanton Bern wohnhaft.

Wilhelm (*1820), zunächst Mitbesitzer der Mühle, kaufte aus dem Geldstag (Konkurs) seines Bruders Heinrich einen Teil vom Matt- und Ackerland sowie Säge und Wohnhaus, in welches er bald einzog. Mit seiner Frau Elisabeth Steiner von Dürrenäsch hatte er drei Söhne und eine Tochter. Der initiative Wilhelm war wie schon seine Vorväter ein tüchtiger Geschäftsmann. Neben Säge und Holzhandel presste er für seine Kunden Obst und drosch ihr Getreide. 1873 liess er ein neues Gebäude mit Furniersäge, Ketthaus und Wasserrad errichten. Im oberen Stock wurden, für die aufstrebende Tabakindustrie, Zigarrenkisten hergestellt. Auch in Politik und Gesellschaft engagierte sich Wilhelm. Er diente seiner Gemeinde als Zivilstandsbeamter und nicht weniger als sechsundreissig Jahre als Gemeindeammann. 1862 bis 1872 war er Mitglied des Grossen Rates.
Wilhelm Häfeli, 1820-1900
Wilhelm Häfeli, 1820-1900


Wilhelm Häfeli, 1841 - 1909
Wilhelm Häfeli, 1841 - 1909
1870 wurde Wilhelms Sohn Rudolf (*1846) Postablagehalter im Kirchdorf (heute Schmiedgasse 109). Nachdem dieser sich an der Kasse «vergriffen» hatte, wurde er 1874 aus dem Dienst entlassen. Sein Vater übernahm nun dieses Amt mit einer Jahresbesoldung von Fr. 780.-- und verlegte die Poststelle in sein Haus bei der Säge. Bis zu seinem Tod im Jahre 1900 zeichnete er als Posthalter. Seine Enkelin Louise Walti-Häfeli und später ihr Sohn Hans leiteten die Poststelle in Gontenschwil bis 1966.
Wilhelm (*1841), ein weiterer Sohn von Gemeindeamman Häfeli, übernahm von seinem Onkel Rudolf den Mühlebetrieb, Arnold (*1848), der Dritte im Bunde, wurde Nachfolger seines Vaters auf der Säge. Jedem der drei Söhne waren als Nachkommen zwei Mädchen beschieden. So erlosch dieser Zweig der Häfeli auf der Lenzmühle.
Mit Gottlieb (*1818) kommen wir zum letzten der «Lenzmüller-Brüder». Er wird meistens als der Pfister (Bäcker) bezeichnet. Aber auch das Müllerhandwerk war ihm nicht fremd, betrieb er doch einige Zeit die Mühle in Schöftland.

Gottlieb starb sechsundvierzigjährig und hinterliess seine Frau Verena, geborene Wirz von Menziken, mit zwei Söhnen von zwölf und dreizehn Jahren. Julius, der Jüngere, lernte Uhrmacher und lebte mit Frau und zwei Töchtern in Seengen. Gottlieb, im Dorf als «Müllerliebu» bekannt, führte zunächst die Bäckerei der Eltern weiter. Er verkaufte diese 1893 an die Familie Gautschi. Aus seiner Ehe mit Maria Klaus sprossen sieben Kinder. Nur die Söhne Gottlieb und Theodor hatten männliche Nachkommen. Ein Sohn Gottliebs lebt heute als einziger seines Stammes in der Nähe der Lenzmühle in Gontenschwil.
Wappen der Häfeli von Gontenschwil
Wappen der Häfeli von Gontenschwil

   Weitere Literatur


Weitere Literatur: Die alten Familien von Gontenschwil, Jahrbuch 2000 der HVW, S. 93 f