Historische Vereinigung Wynental

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aktualisiert: 05.01.2016

   Genealogie / Bär

   Menziken (Autor: Peter Steiner) download PDF (32KB)  

Die Bär gehören zu den alten Menziker Familien und lassen sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Anfänge liegen allerdings nicht in Menziken selber, sondern etwas weiter nördlich. Das Geschlecht war ursprünglich wesentlich stärker verbreitet als heute. Im 16. Jahrhundert lebten Bär-Familien in Gontenschwil, in Oberkulm, in Rued und auch im Suhrental. Uns interessiert Ruedi Bär, seit 1560 in Gontenschwil bezeugt. Er war mit Trini Bumann verheiratet, einer Frau aus dem Dorf. Ob Ruedi schon in Gontenschwil aufgewachsen oder später zugezogen war, ist nicht überliefert. Gewisse Anzeichen lassen jedoch eine Zuwanderung aus dem Ruedertal vermuten. Der älteste Sohn der Familie Bär-Bumann heiratete 1572 mit einer Margret Eichenberger und übersiedelte in der Folge ins Nachbardorf Zetzwil. Uli, ein 1578 geborener Sohn des Ehepaares, sollte zum Stammvater der Bär von Menziken werden. Das Geschlecht scheint also von Rued über zwei Zwischenstationen schliesslich ins südlichste Dorf im damals bernischen Wynental vorgestossen zu sein.

Uli Bär kam als Knecht nach Menziken, möglicherweise auf den Hof von Peter Merz. Jedenfalls heiratete er im Frühjahr 1602 dessen Tochter Maria. Die Ehe stand jedoch unter einem schlechten Stern. Marias Mutter hatte sich für ihre Tochter eine bessere Partie vorgestellt. Sie musste sich vor dem Reinacher Chorgericht verantworten, weil «sy sich letz gstelt, drum das ire tochter ein armen dienstknecht gnommen» und weil sie dem jungen Paar gewünscht hatte, dass es «kein glük angange». Ausweichend beklagte sie sich, es bereite ihr viel Kummer, dass sie das Mädchen doch erzogen habe und es ihr jetzt «nit volge» (nicht gehorche). Maria hatte Uli offensichtlich gegen den Willen der Mutter geheiratet, ob aus echter Zuneigung oder nur, weil sie bereits ein Kind von ihm erwartete, bleibt offen.
Wappen der Bär von Menziken
Wappen der Bär von Menziken

Kurz nach Weihnachten kam ein Söhnchen zur Welt. Anlässlich der Taufe trug der Pfarrer Uli als «Ulrych Bär von Zetzwyl» ins Kirchenbuch ein, notierte aber später am Rand: «Ist angnon worden.» Gemeint ist: angenommen als Menziker Bürger. Uli muss durch seine Frau zu einem Haus und und etwas Land gekommen sein, damals Voraussetzung für ein Bürgerrecht. Die eigentliche Geschichte der Bär von Menziken nahm damit ihren Anfang. Sie stand aber auf Messers Schneide. Der Mutter gelang es offenbar, Maria gegen den Ehemann aufzuhetzen. Diesem muss der Geduldsfaden gerissen sein, und er behandelte Maria möglicherweise unfreundlich. Um den Spannungen mit den Schwiegereltern auszuweichen, scheint er schliesslich nach Zetzwil zurückgekehrt zu sein. Maria begleitete ihn nicht. Vor Chorgericht geladen, sagte sie aus, sie bleibe nicht bei ihm, weil er sie «gar ruch halte und übel schlache». Ihre Eltern stiessen beide ins gleiche Horn. Wir haben aber den Verdacht, dass sie zumindest stark übertrieben. Denn das Chorgericht stellte sich eindeutig gegen sie, schickte sie sogar zweimal nach Lenzburg vor den Landvogt.
Den Ausgang des Ehestreites kennen wir nicht. Uli Bär kehrte nach Menziken zurück; Kinder aber kamen keine mehr zur Welt. Ob er von seiner Frau geschieden wurde oder ob sie starb, ist nicht überliefert. 1612 ging Uli mit Anna Hediger eine neue Ehe ein. Sie brachte ihm mehr Glück und gebar ihm im Laufe der Jahre fünf Kinder. Der Fortbestand des Bär-Geschlechts in Menziken war damit gesichert.
Ulis Nachkommen waren in der Wassergasse ansässig, die heute Kirchgasse heisst. Im 18. Jahrhundert waren dort mindestens drei Häuser von Bär-Familien besetzt. Während die Bär in Menziken eine Bleibe für die Dauer gefunden hatten, erlosch das Geschlecht in Gontenschwil, Zetzwil und Oberkulm schon im früheren 17. Jahrhundert wieder.

   Weitere Literatur


Die alten Familien von Gontenschwil, Jahrbuch 2000 der HVW, S. 26 f.