Historische Vereinigung Wynental

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aktualisiert: 05.01.2016

   Genealogie / Eichenberger

   Menziken (Autor: Peter Steiner) download PDF (65KB)  

Die Eichenberger sind eines der Hauptgeschlechter im Einzugsgebiet der Historischen Vereingung Wynental. Am Ursprungsort Beinwil, aber auch in Reinach, in Leimbach und auf der Burg haben sie eine lange Geschichte und sind bis heute mit Nachkommen vertreten. Wenig bekannt ist, dass ein Zweig der Familie während Jahrhunderten auch als Bürgergeschlecht in Menziken lebte. Zwar wohnen auch heute etliche Träger des Namens Eichenberger In Menziken, doch sie sind blosse Einwohner. Das eigentliche Menziker Eichenberger-Geschlecht ist erloschen. Blicken wir auf seine Geschichte zurück!

Als Stammvater lässt sich der in den 1550er oder 60er Jahren in Beinwil geborene Peter Eichenberger ausmachen. Er war in erster Ehe mit der Reinacherin Elsbeth Glättli, in zweiter – seit 1586 – mit einer Elisabeth Weber verheiratet. Zwischen 1589 und 1598 übersiedelte er mit seiner Familie nach Menziken und damit vermutlich an den Herkunftsort seiner zweiten Frau. Peter Eichenberger wurde schon von seinen Beinwiler Dorfgenossen kurz Betsch genannt. Als Zuanme lebte diese Bezeichnung in der Form Betschi unter den Nachkommen weiter.

Peter Eichenberger bewohnte in Menziken ein Haus in der Nähe der Wyna, mit einem Baumgarten, der «ufhin an Heinrich Wäbers Brügelmatten» stiess, die sich leider nicht genauer lokalisieren lassen.

Wappen der Eichenberger von Menziken (Entwurf, neu)
Wappen der Eichenberger von Menziken (Entwurf, neu)

Peter muss eine angesehene Persönlichkeit gewesen sein. 1599 wurde er zum Mitglied des Reinacher Chorgerichts gewählt. Er versah das Amt in der Folge während mindestens 20 Jahren.

Zwei Söhne von Peter aus erster Ehe pflanzten das Geschlecht fort, Peter der jung (*1575) und Ruedi (*1580). Der Zweig des ersteren erlosch aber schon mit der Grosskinder-Generation. Während Peter eine Menzikerin heinführte, holte sich Ruedi seine Braut, Barbara Furrer, in Aesch am Hallwiler See, einem katholischen Ort.1 Nach damaliger Regelung hatte sie in Menziken zum reformierten Glauben zu wechseln. Die Regierungen bestimmten damals zwingend die einheitliche Religion für ihr ganzes Staatsgebiet. Menziken aber unterstand dem reformierten Bern. In Luzern, zu dessen Gebiet Aesch gehörte, sah man den Verlust einer Konfessionsangerhörigen sehr ungern. Man versuchte «den Spiess umzukehren» und den Bräutigam auf die katholische Seite zu ziehen. 1603 wurde er aufgefordert, am Heimatort seiner Auserwählten einen Hof zu erwerben und sich dort niederzulassen. Ruedi lehnte diese Zumutung ab und blieb in Menziken. Sonst wäre es schon damals um das Eichenberger-Geschlecht im Ort geschehen gewesen.

Der Weiterbestand des Menziker Eichenberger-Zweiges hing aber auch so an einem Faden. Den jungen Eheleuten war kein langes Leben beschieden. Mit einem Abstand von nur 11 Tagen starben beide im Dezember 1611 an der Pest, die damals wie fast die ganze Schweiz auch das Oberwynental heimsuchte. Glücklicherweise hatte Barbara nur wenige Monate vor ihrem Tod dem Stammhalter Hans das Leben geschenkt. Zuvor hatte sie drei Mädchen und einen ganz jung verstorbenen Knaben geboren.
Zum Manne herangereift, übte Hans den Zimmermann-Beruf aus, welcher sich auf eine ganze Reihe seiner Nachkommen vererben sollte. Er scheint ein anderes Haus besessen zu haben als sein Grossvater; es stand aber ebenfalls in der Nähe der Wyna. Die Tatsache, dass er unter anderem ein Stück Mattland im Falkenstein besass, lässt vermuten, dass er im oberen Teil des Menziker Dorfs wohnte. Obwohl Hans sich neben der Landwirtschaft noch handwerklich betätigte, war er offenbar nicht auf Rosen gebettet. 1647 musste er Haus und Baumgarten mit einer Gült (Hypothek) von 50 Gulden belasten und 1662 nochmals mit demselben Betrag.

Drei Söhne von Hans und dessen Gattin Anna Suter aus Seon, nämlich Fridli (*1641), Lux oder Lukas (*1648) und Ruedi (*1650) gründeten im Lauf der 1670er Jahre eine Familie. Es war das einzige Mal in der Geschichte des Geschlechts, dass es gleichzeitig drei Familien nebeneinander gab. Die Menziker Eichenberger entwickelten sich sonst immer sehr «schmalspurig». Die drei Söhne beschränkten sich im Gegensatz zu ihrem Vater und ihrem Grossvater bei der Brautschau auf die nähere Umgebung. Ihre Ehefrauen stammten von Reinach, Menziken und Beinwil. Wir kennen nun auch den genauen Wohnsitz der drei Brüder. Lux kaufte 1684 die Hälfte eines Hauses, das sich am Platze des heutigen Restaurants Aktie befand. Ruedi und vermutlich auch Fridli wohnten etwas weiter nördlich, im Winkel Hauptstrasse-Alte Poststrasse (heutiger Name), wo nachmals die erste Menziker Post zu stehen kam. Die drei Familien bewirkten keine wirkliche Ausdehnung des Geschlechts. Fridli hatte lediglich Töchter, und auch die Nachkommenschaft von Lux überdauerte mit knapper Not zwei Generationen. Lux hatte mit seiner zweiten Frau Madleni Siegrist einen einzigen Sohn namens Hans Jakob (*1698). Dieser zeugte zwar vier Kinder, doch lässt sich in den späteren Quellen nur eines fassen, der 1720 geborene Hans Jakob junior. Dieser war allerdings geistig behindert, ein Thor», wie der Pfarrer notierte. Sein Vater Hans Jakob lebte vermutlich wie die Vorfahren nicht im Wohlstand. Jedenfalls machte er sich 1734 auf und davon, nach Frankreich in fremde Kriegsdienste. 8½ Jahre hielt er durch, desertierte dann und liess zu Hause nie mehr von sich hörenUnd seine Familie? Seine Frau, eine geborene Barbara Merz, starb schon drei Jahre nach seinem Ausreissen, vielleicht aus Kummer. Der geistesschwache Sohn lebte nach dem Tod der Mutter noch zwölf Jahre bei einem Verwandten im Reinacher Winkel und beendete dann sein trauriges Leben.

Der Fortbestand des Geschlechts hing an Ruedi (*1650) und seiner Frau Anna Eichenberger von Beinwil. Wir streifen die Generationenfolge: Über Ruedis Sohn Rudolf (*1685) und seinen Enkel Hans Jacob (*1721) gelangen wir zu den Urenkeln Samuel (*1757) und Melchior (*1760). Als erste ihres Geschlechts sind die beiden und ihr Vater im Menziker Bürgerregister eingetragen. Doch noch etwas genauere Angaben! Ruedi, Rudolf und Hans Jakob übten alle den Zimmermann-Beruf aus. Er war für den Eichenberger-Zweig so typisch, dass Rudolf in Steuerlisten statt mit seinem Namen einfach als Zimmermann eingetragen wurde. Rudolf wohnte im gleichen Haus wie schon sein Vater Ruedi (Winkel Hauptstrasse-Alte Poststrasse). 1752 verkaufte er jedoch das Haus samt einem kleinen Baumgarten für 920 Gulden. Die Liegenschaft war mit 613 Gl belastet, so dass er nur knapp 300 Gulden löste. Es war ihm aber offensichtlich möglich, auf freiem Gelände etwas oberhalb der Plattenstrasse einen Neubau zu erstellen. Er erscheint in den Quellen erstmals 1774/84 im Besitz des Sohnes Hans Jakob (*1721). Das Gebäude ausserhalb der eigentlichen Dorfsiedlung war auffallend. Es erhielt nach dem Zunamen der Besitzer den Namen Betschihof. Es war ursprünglich ein Strohdachhaus und wurde erst im späteren 19. Jahrhundert auf Ziegel umgedeckt.

Im frühen 19. Jahrhundert war Melchior Eichenberger (*1760) Besitzer des Betschihofes. Sein lediger Bruder Samuel hatte wohl das Wohnrecht. Melcher übte vermutlich neben der landwirtschaftlichen Betätigung den traditionellen Zimmermann-Beruf aus. Als «Zimber» wird er jedenfalls bezeichnet, was aber auch blosser Zuname gewesen sein könnte. Fast als Tradition kann betrachtet werden, dass er neben fünf Töchtern einen einzigen Sohn hatte, den 1796 geborenen Johannes. Dieser übernahm 1842, nach dem Tod des Vaters, den Hof. Er starb jedoch bereits 1857 und vererbte seinen Besitz an die teils noch unmündigen Kinder, den Sohn Samuel und zwei Töchter. Samuel (*1835) kaufte 1866 seine Schwestern aus, vermochte sich aber vermutlich nur schwer auf dem Hof zu halten. Als er 1883 starb, hinterliess er eine grosse Schuldenlast, so dass der Betschihof samt gut fünf Hektaren Umschwung, dem Vieh und allen Vorräten in den Geldstag geriet. Laut einem erhaltenen Zeitungsauschnitt wurden am 24. September versteigert: ca.70 Zentner Heu, 2 Zentner Stroh, 100 Korngarben, 2 Kühe, 1 Saugkalb, ca.18 Aren Hafer, ca.18 Aren Kartoffeln. Der Steigerungsbetrag ist nicht bekannt. Der Hof aber ging für 22'000 Fr. an Johannes Ammann über, der bis dahin auf dem Trolerhof gewohnt hatte. Das Betschi-Haus war inzwischen teilweise mit Ziegeln gedeckt. Erhalten haben sich Forderungen der beiden Menziker Ärzte, Heinrich und Gotthold Merz, für unbezahlte Rechnungen. Offenbar hatte sich Samuel bald vom einen, bald vom andern behandeln lassen. Sein Gesundheitszustand mag zum Niedergang des Hofes beigetragen haben. – Ergänzt sei, dass der stattliche Betschihof – damals im Besitz der Fabrikantenfamilie Fischer – 1939 einem Brand zum Opfer fiel.

Den verstorbenen Samuel überlebten die Töchter Pauline (*1865) und Frieda Bertha (*1866) und der wiederum einzige Sohn Karl Ernst (*1877). Die beiden Töchter verheirateten sich in Menziken. Frieda war nicht mehr in der Landwirtschaft tätig, sondern als Zigarrenmacherin. Der Bruder Karl Ernst aber zog in die Ostschweiz weg, nach Arbon, und arbeitete dort als Mechaniker. Von seiner Frau Lina Bischoff aus Spiez liess er sich 1918 scheiden. Das einzige Kind aus der Ehe, Margaritha (*1914), wurde ihm zugesprochen. Karl, der letzte männliche Spross der Familie, lebte bis 1937. Seine Tochter Margaritha blieb lange ledig, heiratete aber 1967 doch noch mit Hans Hartmann aus Möriken-Wildegg. Inzwischen ist auch sie verstorben, das letzte Glied eines Geschlechts, das über 300 Jahre lang das Geschehen in Menziken mitgeprägt hatte.