Historische Vereinigung Wynental

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aktualisiert: 05.01.2016

   Genealogie / Eichenberger

   Leimbach (Autor: Peter Steiner) download PDF (39KB)  

Über die Herkunft der Leimbacher Familie Eichenberger war man bisher im ungewissen. Man wusste lediglich, dass 1682 ein bereits in Leimbach wohnhafter Rudolf am Kirchenort Reinach heiratete. Zu vermuten war, dass dieser auch aus der Pfarrei Reinach stammte, von Reinach selber oder aus dem Eichenberger-«Zentrum» Beinwil. Ein genaues Studium der Reinacher Kirchenbuch-Daten führt jedoch zu einem andern Ergebnis.

Ein Eintrag im Reinacher Eherodel vom 10. März 1758 lässt aufhorchen: Damals verehelichte sich «Johannes Eichenberger von Leimbach, sonst burger zu Fahrwangen, Rudis sohn», mit Marey Haller von Gontenschwil. Eichenberger war offensichtlich Bürger in Leimbach, hatte aber zuvor das Bürgerrecht von Fahrwangen besessen oder besass es noch. Nun wissen wir, dass Leimbach erst wenige Jahre zuvor, 1751, von der Berner Regierung vom Steckhof zur Gemeinde aufgewertet worden war. (Man vergleiche den Monatsbeitrag vom Mai 2001). In einem Steckhhof hatte es kein Bürgerrecht gegeben. Doch 1751 wurden alle in Leimbach ansässigen Einwohner zu Bürgern der neuen Gemeinde, so auch Johannes Eichenberger. In der Folge konnte er unbeschadet auf sein altes Fahrwanger Recht verzichten, wenn er es als überflüssig betrachtete und befürchtete, an zwei Orten Armensteuern bezahlen zu müssen. Möglicherweise fand irgendwann eine offizielle Verzichtleistung statt.

Der Familienforscher ist nun versucht, nach den Vorfahren von Johannes in den Kirchenbüchern von Seengen zu suchen, wozu Fahrwangen ehedem kirchlich gehörte. Er tut jedoch besser daran, sich in denen von Reinach weiter umzusehen, da Eichenberger-Familien schon zuvor in Leimbach gelebt hatten. Johannes Eichenberger starb laut Totenrodel anfangs April 1776 im Alter von 46 Jahren und 1 Monat. Das passt ziemlich gut – die Altersangaben bei den Todesfällen waren häufig ungenau – zur Geburt eines Johannes Eichenberger in Leimbach von Mitte Februar 1731. Johannes gehörte also zu dem schon länger im Dorf lebenden Eichenberger-Geschlecht. Wir können dieses denn auch zwei Generationen weiter zurückverfolgen, bis zu dem schon erwähnten Hochzeiter Rudolf Eichenberger von 1682.
Wappen der Eichenberger von Leimbach (erst 1976 entworfen)
Wappen der Eichenberger von Leimbach (erst 1976 entworfen)

Unbefriedigend ist lediglich, dass bei diesem eine Herkunftsangabe fehlt. Wenn Rudolf erst kürzere Zeit im Steckhof lebte, hätte der Pfarrer eigentlich den früheren Wohn- und Bürgerort erwähnen müssen.

Ist in den Reinacher Registern noch irgend etwas zu finden? Dank der Filterfunktion auf unserer CD-Rom mit den Reinacher Kirchenbuchdaten kommen wir ohne grosse Mühe tatsächlich weiter. Wir konzentrieren uns auf alle Eichenberger-Familien in der Pfarrei, betrachten die Hochzeiten und die Taufen vor 1682. Und siehe da: Am 16. März 1657 heiratete ein Rudolf Eichenberger von Fahrwangen eine Verena Haller von Reinach. Wie anlässlich einer Kindertaufe von 1662 vermerkt ist, wohnte er auch in Reinach, nicht in Leimbach. Daher hatten wir ihn zuvor nicht mit dem späteren Eichenberger-Geschlecht in Leimbach in Zusammenhang gebracht. Nun aber ist klar, dass die erste Generation in Reinach lebte, während alle Nachkommen-Familien ihren Wohnsitz in Leimbach hatten. Die spätere nochmalige Erwähnung der Herkunft aus Fahrwangen lässt keinen Zweifel offen. Frappant ist einzig, dass zwischen der ersten und der zweiten Angabe gut 100 Jahre liegen. Und eher ungewöhnlich ist, dass Johannes Eichenberger sich nach Generationen offensichtlich noch über sein altes Bürgerrecht ausweisen konnte. Dazu waren längst nicht alle Steckhofbewohner in der Lage. Die Leutwiler auf dem Flügelberg wurden 1751 zu Heimtlosen erklärt, weil ihr Wohnort nicht zur Gemeinde erhoben, sondern Reinach zugeteilt wurde.

Nun ist für den Forscher der Zeitpunkt gekommen, sich doch in den Seenger Kirchenbüchern umzusehen. Leider hat er damit wenig Erfolg. 1633 kamen in Fahrwangen nämlich kurz nacheinander zwei Rudolf Eichenberger zur Welt, der eine im Juni als Sohn des Hans und der Verena Hochstrasser, der andere im August als Sohn des Adam und der Barbara Fischer. Da ist guter Rat teuer. Welcher von den beiden nach Reinach übersiedelte, dürfte kaum mehr zu ermitteln sein. Einer aber muss es gewesen sein.

Wir haben die Geschichte der Eichenberger von Leimbach absichtlich rückwärts verfolgt, um den Leser oder die Leserin den Forschungsweg nachempfinden zu lassen. Wenigstens kurz möchten wir aber die Ergebnisse noch in chronologischer Reihenfolge skizzieren.

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts zog ein Rudolf Eichenberger aus unbekanntem Grund von Fahrwangen nach Reinach und heiratete dort 1657 mit einer ansässigen Haller-Tochter. Aus der Ehe gingen zwei Knaben hervor, von denen uns aber später nur Rudolf junior wieder begegnet. Dieser verlegte seinen Wohnsitz noch vor der ersten Heirat von 1682 nach Leimbach. Damals ehelichte er Elsbeth Müller von Kulm, später – vermutlich nach Elsbeths Tod – Anna Ernst von Entfelden. Obwohl seine beiden Frauen insgesamt 11 Kinder gebaren, hören wir später wieder einzig von Rudolf III. Dieser, verheiratet mit Maria Haller aus den Eichen, zog sich in Leimbach den Zunamen Kleinruedi zu. Von seinen Söhnen hatte Johannes, den wir als ehemaligen Fahrwanger Bürger kennen gelernt haben, lediglich eine Tochter. So war allein dessen Bruder Heinrich dazu berufen, das Eichenberger-Geschlecht in Leimbach fortzusetzen. Er war 1739 zur Welt gekommen und heiratete verhältnismässig spät, 1773, als erster seiner Familie mit einer Leimbacherin namens Verena Maurer. Seine Nachkommenschaft hat sich bis heute erhalten.

Abschliessend können wir für das Oberwynental festhalten: Ausser den Siegrist in Menziken, den Fischer in Reinach und den Schlatter in Gontenschwil stammen also auch die Eichenberger in Leimbach von jenseits des Hallwilersees.