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aktualisiert: 05.01.2016

   Genealogie / Halter

   Reinach, Beinwil am See (Autor: Peter Steiner) download PDF (39KB)  

Die Halter sind eines der alteingesessenen Geschlechter von Beinwil am See. Wenig bekannt ist allerdings, dass sie nicht von Anfang an dort lebten, sondern sich zuerst in der Nachbarschaft niederliessen. Diese Tatsache springt einem aus den erhaltenen Dokumenten nicht ohne weiteres entgegen. Erst die Kombination verschiedener Quellen aus drei Archiven – dem Stiftsarchiv Beromünster, dem aargauischen Staaatsarchiv und dem Gemeindearchiv Reinach – ergibt ein eindeutiges Bild bezüglich Wohnsitz und ermöglicht es, Aussagen über die ersten Generationen der Familie zu machen.

Der Stammvater Heinrich Halter taucht erstmals 1537 in einer klar datierten Urkunde auf. Am 7. Mai dieses Jahres tagte in Reinach unter dem Vorsitz von Untervogt Hans Sommerhalder das lokale Gericht. Es hatte die Aufgabe, ein Reinacher Bauerngut, das der Kirche Pfeffikon zinspflichtig war, zu «bereinigen», das heisst Parzelle für Parzelle schriftlich festzuhalten, welche Liegenschaften dazugehörten. Notiert wurden dabei die Flurnamen, die Grösse der Parzellen und deren Anstösser. Von einem Acker im Gundiswinkel heisst es: «stost einhalb (einerseits) an Heini Hallter». Wer davon ausgeht, Heini habe in Beinwil gewohnt, wird verunsichert. Ist es denkbar, dass ein Beinwiler ein Grundstück im Grenzgebiet zwischen Reinach und Menziken bewirtschaftete? Die Parzellen der damaligen Bauernhöfe befanden sich zwar in starker Streulage, aber so extrem doch wieder nicht und normalerweise innerhalb eines Dorfes.

Eine noch etwas ältere Quellenstelle, nicht genau datiert, aber von ungefähr 1530, hilft weiter. Sie nennt «Heiny Halltter» als Inhaber des dem Stift Beromünster zinspflichtigen Reinacher Gutes «am Stampfenbach». Heini war also tatsächlich Bauer in Reinach. Es lässt sich sogar genau sagen, wo er wohnte. Mit Hilfe späterer Quellen ergibt sich, dass sich der Bauernhof am Stampfenbach dort befand, wo heute die Central-Apotheke steht.

Rödelchen des Stifts Münster aus der Zeit von 1534 bis 1542 nennen nicht Heini, sondern einen Hans Halter als Zinsgeber vom Stampfenbach-Hof. Das scheint der zuerst erwähnten Quelle von 1537 zu widersprechen. Wir müssen annehmen, dass Hans der Sohn von Heini war, mit dem Vater zusammen den Hof bestellte und für die Zinsablieferung nach Münster besorgt war. Vielleicht starb der Vater im Laufe dieser Jahre.

Ein weiteres Mal taucht der Name Halter in einer Randbemerkung von ungefähr 1550 zu einer älteren Quelle auf. Wieder ging es um ein Zinsgut des Stifts Beromünster, aber um ein anderes.

Wappen der Halter von Beinwil am See
Wappen der Halter von Beinwil am See

Und der Besitzer hiess «Heini Halter der Jung». Wir haben es also mit einem zweiten Sohn von Heini Halter senior zu tun. Wir halten dafür, dass in der Quelle von 1537 der Vater gemeint war, in allen späteren Quellen der gleichnamige Sohn.

Die Lage des Bauernhofes von Heini junior wird 1550 nicht genannt. In einem Urbar von 1616 wird aber rückblickend erwähnt, ein Haus mit Baumgarten auf der Unteren Breite in Reinach habe früher Heini Halter gehört. Da die Entwicklung der Reinacher Siedlung erforscht ist, lässt sich auch in diesem Fall der genaue Standort festellen. Das Haus befand sich auf der linken Wynaseite, etwa 120 m südlich des Alzbach (siehe Siedlungsplan in der Reinacher Dorfgeschichte, S.109: Haus Nr.44, heute Brüggliweg 6). Auch dieses Haus steht heute nicht mehr: es brannte 1874 ab.

Nehmen wir nun auch den 1549 beginnenden Reinacher Taufrodel zu Hilfe! Zwischen 1549 und 1561 brachten Heini Halter und seine Ehefrau Barbara Dys (Herkunft unbekannt) eine ganze Reihe Kinder zur Taufe. Der Wohnort der Eltern wird nicht genannt. Bei den Taufpaten und -patinnen fällt aber auf, dass – aus ihren Namen zu schliessen – fast alle Reinacher waren. Das passt zu unseren bisherigen Erkenntnissen. In der nächsten Generation waren ein Hans (Taufen 1570-1580) und ein Ulrich Halter(1570-1577) Familienväter. Hans muss noch vor Beginn des Rodels, also vor 1549, geboren sein; Ulrichs Taufe wird 1549 gerade noch erfasst. Die Paten der Kinder von Hans waren wiederum vorwiegend Reinacher, die von Ulrichs Kindern hingegen Beinwiler. War Ulrich mit seiner Familie nach Beinwil übersiedelt? Ja, dort erscheint er in einem Haushaltverzeichnis von 1589 tatsächlich. Er war also der eigentliche Begründer des Halter-Geschlechts von Beinwil. Was ihn zum Ortswechsel bewogen hatte, bleibt unbekannt. An seiner Frau, Verena Hartmann, kann es kaum gelegen haben; diese kam vermutlich nicht von Beinwil.

Fassen wir die Ergebnisse mit einigen Ergänzungen zusammen! Seit spätestens 1530 lebte der Stammvater Heini Halter im Reinacher Mitteldorf. Er mag um 1540 gestorben sein, da sein Hof schon 1544 im Besitz einer andern Familie war. Er hatte zwei Söhne. Der eine hiess Hans, lebte im Haus seines Vaters, hinterliess wahrscheinlich keine Kinder und verschwindet nach 1542 aus den Akten. Der andere hiess Heini, wohnte im Reinacher Unterdorf und setzte als Familienvater das Geschlecht fort. Seine zwei Söhne, Hans und Ulrich, gründeten beide eine Familie. Hans könnte theoretisch auch ein Sohn von Hans sen. gewesen sein, was aber weniger wahrscheinlich ist. Er blieb in Reinach und hatte einen einzigen Sohn, der aber wahrscheinlich als Kleinkind starb. Der Reinacher Familienzweig erlosch somit wieder. Ulrich hingegen übersiedelte nach Beinwil und begründete dort das bis heute lebende Halter-Geschlecht.

Nur vermuten lässt sich, woher der Stammvater Heini nach Reinach gezogen war. Da im 16. Jahrhundert auffallend viele Familien aus dem Zürichbiet in den Aargau wechselten, könnten auch die Halter von dort gestammt haben. Noch heute gibt es im Kanton Zürich Halter-Bürgerorte. Es besteht aber eine weitere Möglichkeit. Laut einem Zinsverzeichnis der Herren von Hallwyl auf der Trostburg ist 1523 in Egliswil ein Heini Halter – ausgerechnet ein Heini – bezeugt. Er könnte mit Heini in Reinach identisch gewesen sein. Und nach einem noch älteren Zinsrodel lebte vor 1464 in Seengen ein Jenni an der Halten. Das war möglicherweise die ursprüngliche Namensform des Geschlechts. Gewissheit besteht leider nicht.

   Literatur zu Familie Halter in Beinwil


Fritz Springer und Alice Gehrig, Die Familien Halter in Beinwil am See, in Heimatkunde aus dem Seetal 2008