Di, 19. September 2017, Peter Steiner
Im Bann historischer Kleinodien
Die jährlich wiederkehrende Herbstexkursion der Mitglieder der historischen Vereinigung Wynental führte nach Triengen ins Gemeindearchiv und die Firma Muff, Kirchturmtechnik.
(Eing.) Dieses Jahr führte die Herbstexkursion nach Triengen, ins benachbarte luzernische Suhrental. Am Vormittag traf sich die historisch interessierte Schar im illustren Gemeindearchiv im Trienger Ortsteil Wilihof. Gemeindearchivar und Alt-Gemeindeammann Franz Kost führte, anhand ausgewählter Exponate, äusserst eloquent und spannend durch die lokale Dorfhistorie.
Von römischen Mosaiken und spätmittelalterlichen Bauten, über die Gründung der Sursee – Triengenbahn, bis zum bekannten Fliegerabschuss / Absturz während des 2. Weltkrieges, findet alles im Dorfmuseum seinen Niederschlag.
Herzblut und Engagement
Franz Kost zog mit viel Herzblut und Engagement die Besucher in den Bann seiner historischen Kleinodien. Anhand von alten Fotos erfuhr man beispielsweise etwas über das ehemalige Luftkurhotel «Bellevue» auf der Anhöhe oberhalb Triengens, dem heutigen bescheideneren Gschweich.
Besonderes Gewicht in Kosts Ausführungen erfuhren die bekannten «Spahis». Ein nordafrikanisches Reiterbatallion in französischen Diensten, das zu Beginn des 2. Weltkrieges in der Pruntruter Grenzregion in tödliche Bedrängnis geriet.
Gemeindearchiv Triengen: Franz Kost in seinem reichen Dorfmuseum.
Als der endgültige Abschied folgte, wurden die Spahis mit der Sursee – Triengen- Bahn nach Sursee befördert. Für eine stattliche Schar junger Triengerinnen war eigens der hinterste Wagen für deren Begleitung reserviert. Es kam jedoch anders als erwartet. Der Zug mit den rassigen Algeriern setzte sich in Bewegung und der hinterste Wagen mit den weinenden Trienger Mädchen blieb abgehängt auf dem Geleise stehen.
Turmuhren und Schlagwerke
Kirchturmtechnik: Oskar Näpflin vor einem seiner zahlreichen historischen
Grossuhrwerke.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Restaurant Bahnhöfli stand der Besuch der in Triengen ansässigen Firma Muff, Kirchturmtechnik an. Äusserst kompetent führte Oskar Näpflin durch das firmeneigene «Museum für historische Zeit» mit seinen zahlreichen alten Turmuhren und Schlagwerken. Anschliessend konnten die heutigen Produktionsanlagen besichtigt werden. Für Kirchen in ganz Europa werden elektrifizierte Grossuhren und Läutmaschinen hergestellt und ebenso viele restauriert.
Glocken werden in Triengen keine gegossen. Hingegen hat sich die Firma Muff nebst den Uhrwerken auf das Schmieden von Glockenklöppeln spezialisiert. Der «Kuss» des Klöppels mit der Glocke – so wird das Anschlagen genannt – ist für den Klang vom Kirchturm her entscheidend. Pro Jahr werden in Triengen zwischen 600 und 700 Klöppel gefertigt.
Bald wird für die Historische Vereinigung Wynental wieder die Stunde schlagen, wo man auf die nächste Zeitreise eingeladen wird.