Di, 25. Februar 2003, Peter Steiner
Burger (Burg)
Woher die Burger ihren Namen wirklich hatten, lässt sich kaum mehr ermitteln, da wir ihre Urheimat nicht kennen. Wir wissen aber, wo sie sich vor ihrem Auftauchen im Oberwynental aufhielten, nämlich auf dem Bözberg, am andern Ende des damals von Bern beherrschten Aargaus. Der erste seines Geschlechts war dort ein Bernhard Burger, der gegen Ende des 15. Jahrhunderts auf dem Stalden als Knecht eine Stelle antrat. 1528 musste er in einer Streitangelegenheit als Zeuge vor Gericht erscheinen und erklärte dabei rückblickend, «vorm Schwitzer krieg heige er uff Stalden gedienet». Mit dem «Schweizerkrieg» meinte er das Ereignis von 1499, das in heutigen Geschichtsbüchern als Schwabenkrieg bezeichnet wird. Inzwischen war Bernhard längst nicht mehr Knecht, sondern bewirtschaftete, wie uns 1529 bezeugt wird, selber einen Bauernhof. Er befand sich in Bächle, dem östlichen Ortsteil der heutigen Gemeinde Oberbözberg, und schuldete dem Kloster Königsfelden einen jährlichen Zins von 3 Mütt Kernen. 1512 war noch ein anderer Bauer für den Zins aufgekommen, so dass also Burger den Hof etwa 1520 erworben haben dürfte.
Bernhard Burger wird 1536 in den Quellen ein letztes Mal erwähnt. Unter seinen Nachkommen vermehrte sich das Geschlecht rasch. Von Bernhards mutmasslichen Söhnen stieg einer auf dem Bözberg ins Untervogtsamt auf, was zeigt, dass die Burger dort unterdessen zur Oberschicht gehörten. Ein Vertreter der dritten oder allenfalls der vierten Generation – die familiären Zusammenhänge lassen sich schwer rekonstruieren – erlernte den Müllerberuf und kam als Geselle in die Mühle am Reinacher Lindenplatz. Dort gewann er bald das Herz von Margareta, einer Tochter des Besitzers Galli Hauri. Am [d:18.09.1575]18. September 1575[/d] heirateten die beiden. Bei dieser Gelegenheit notierte der Pfarrer im Eherodel ausdrücklich, dass Martin «ab dem Bötzberg» stammte.
Wappen der Burger von Burg
Der Misserfolg scheint Martin verbittert zu haben, so dass er sich in der Folge kaum mehr um Gebote kümmerte. Häufig musste er sich vor dem Reinacher Chorgericht und dem Lenzburger Landvogt verantworten, weil er schimpfte, fluchte, sich in Wirtshäusern ungebührlich benahm und obrigkeitliche Mandate übertrat. Als er in einer Angelegenheit Zeugen zu falschen Aussagen verleitete, landete er im Kerker auf der Lenzburg und wäre beinahe zum Tode verurteilt worden. Er wurde zwar begnadigt, hatte aber eine Busse von 500 Gulden zu bezahlen und durfte sich in keinem Wirtshaus mehr zeigen. Schon 1598 scheint er mit kaum 50 Jahren gestorben zu sein. Ein Leben, das sehr erfolgversprechend begonnen hatte, endete früh und unerfreulich.
Nicht zu Ende war aber die Geschichte der Familie Burger von Burg, ganz im Gegenteil. Drei Söhne und drei Töchter überlebten den Vater. Bei dessen Tod waren die meisten noch nicht erwachsen, später aber heirateten alle, und die drei Söhne Ruedi, Martin und Hans waren für eine zahlreiche Nachkommenschaft ihres Geschlechts besorgt. Einige Familien sind ihrer Heimat Burg bis heute treu geblieben. Am Ursprungsort Bözberg allerdings sind die Burger schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts wieder verschwunden.