Mi, 10. Oktober 2012, Raoul Richner
Bruder (Teufenthal)
Hans Bruder gehörte als Tauner der dörflichen Mittel- oder sogar Unterschicht an. Als er 1581 starb, hinterliess er mindestens vier unmündige Kinder und eine schwangere Frau. Die junge Witwe scheint die schwierige Situation gemeistert zu haben, indem sie sich mit Melchior Hächler wieder verheiratete. Ihre vier Söhne aus erster Ehe erreichten alle das Erwachsenenalter: Hans (*1570), Heinrich (*1574, lebt noch 1630), Jakob (*1576, † 1648/49) und wohl auch Ulrich (*1580, wohl † 1636/37) setzten den Stamm in Teufenthal fort. Da die Kulmer Kirchenbücher 1602 abbrechen, können wir leider die genauen genealogischen Zusammenhänge der folgenden beiden Generationen nicht im Detail nachvollziehen. Während wir von den Familien von Jakob und Ulrich nichts wissen, lernen wir mit Sara Härdi und Maria Fehlmann die beiden vor 1602 genannten Ehefrauen von Hans bzw. Heinrich gerade noch kennen.
Von den vier Gebrüdern scheint es Jakob Bruder wirtschaftlich am besten ergangen zu sein: Als erster namentlich bekannter Wirt in Teufenthal (erwähnt 1620 und 1646) schaffte er den Aufstieg in die dörfliche Oberschicht. Heinrich fungierte einige Zeit als Weibel des Gerichts Trostburg (erw. 1617).
Die Bruder vermehrte sich in der dritten und vierten Generation stark. In den Gerichts- und Rechnungsakten haben mehrere erwachsene Bruder-Männer Spuren hinterlassen: Wir hören von den Gebrüdern Joggli und Hans (erwähnt 1632), von einem Thüring (erw. 1636), von einem Sebastian (erw. 1646), von einem Uli († 1651/52), von einem Markus (erw. 1656), von einem Wolfgang (*1599, Heinrichs Sohn, erw. bis 1656) und von einem Adam († 1668/69).
Angesicht dieser grossen Zahl an potentiellen Familienvätern ist es wenig überraschend, dass die Bruder im 17. Jahrhundert nach den Hächler zum zweitgrössten Teufenthaler Geschlecht avancierten.
Wappen von Samuel Bruder, 1797
Die stets recht zahlreichen Bruder spielten auch in der Folge als Vorgesetzte, Weibel, Chorrichter oder Kirchmeier eine Rolle im Teufenthaler Dorfleben. Namentlich sei noch Samuel Bruder genannt, der 1797 das stattlichste Bürgerhaus Teufenthals errichten liess, an welchem auch sein Familienwappen prangt (heute Garage Kohler an der Dorfstrasse).