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aktualisiert: 14.07.2009

   Genealogie / Klauenbösch

   Suhrental, Dürrenäsch (Autor: Peter Steiner) download PDF (24KB)  

Es gibt Familiennamen, die von ihrem Sinn her schwer zu deuten sind. «Klauenbösch» würde man dazurechnen. Unter einer Klaue kann man sich zwar etwas vorstellen; was aber soll das «bösch» im Zusammenhang damit? Glücklicherweise führt uns eine alte Quelle auf die Spur.
Der erste uns bekannte Namensvertreter lebte in Schöftland und hiess Hans Rudolf Klauwenpüsch. Unter diesem Namen stellte er sich im Mai 1578 in Leerau als Taufpate zur Verfügung. Wenige Monate zuvor war seine Tochter ihrerseits dort als Gotte aufgetreten, sie jedoch unter der Bezeichnung «Anna Clauwenbutz, des Hans Rudolf Schärers dochter zu Schöftlang». Und als der Vater Hans Rudolf sich im gleichen Jahr nochmals für eine Taufe nach Kirchleerau begab, wurde er als«Hans Rudolf Klouwenbutz, schärer zu Schöftlang» in den Kirchenrodel eingetragen. Damit haben wir offensichtlich die echte, ursprüngliche Namensform vor uns: Klauenputz. Das «püsch» oder «bösch» ist eine willkürliche lautliche Umformung. «Klauenputz» war eine Berufsbezeichnung und passt sehr gut zu «Schärer», der andern Bezeichnung für Hans Rudolfs Tätigkeit. Der Klauenbösch-Stammvater war zugleich «Arzt» und «Tierarzt». Als Schärer war er mit Aderlass und einfachen chirurgischen Eingriffen für die Gesundheit der Menschen besorgt; als Klauenputz reinigte er nicht nur die Rinderklauen, sondern nahm sich bei Bedarf überhaupt der Tiere in den Ställen an. Das Klauenputzen muss aber eine seiner hervorstechenden Arbeiten gewesen sein.

Man kann sich vorstellen, dass «Schärer» statt «Klauenputz» zum Familiennamen geworden wäre. Bei der Nennung von Anna als «Hans Rudolf Schärers dochter» haben wir den Ansatz dazu. Beide Namensformen wirken 1578 noch ungefestigt. Der Schöftler Heilkünstler trug vielleicht an sich einen dritten, nicht mehr aktenkundig gewordenen Namen, der schliesslich definitiv in Vergessenheit geriet. Dass wir den Ursprung des Namens Klauenbösch aufhellen können, ist ein Glücksfall. Die Schöftler Kirchenbücher sind nämlich erst vom Jahr 1612 an erhalten. Hätten die Schärer-Klauenbutz nicht familiäre Beziehungen nach Leerau unterhalten - vielleicht stammte die Mutter von dort - könnten wir diese Zeilen nicht schreiben.
Wappen der Klauenbösch von  Hirschtal
Wappen der Klauenbösch von Hirschtal

Die Klauenbösch blieben weiterhin in Schöftland, nun klar unter diesem Namen. Nach 1612 finden wird dort die Familienväter Hans Rudolf und Christoffel, Söhne oder Enkel des Stammvaters. Etwas später traten auch ein Hans (verheiratet 1624) und ein Hieronymus (1632) auf. Auch sie schnitten zum Teil, aber nicht mehr als Chirurgen in menschliche Gliedmassen, sondern bloss als Schneider in Stoffe. Sowohl Hans Rudolf als auch Hans übten diesen Beruf aus. Im übrigen begann sich das Geschlecht von Schöftland aus an zwei andere Orte auszubreiten. Hans, verheiratet mit einer Zetzwilerin, übersiedelte 1628 oder 1629 nach Dürrenäsch; Hieronymus nahm nach seiner Heirat mit einer Hendschikerin Wohnsitz im Hard bei Hirschthal.
Von den drei Zweigen hat sich nur der in Hirschthal bis heute gehalten. Der jenige am Ursprungsort Schöftland erlosch schon 1736 mit dem «blutarmen» 60jährigen Familienvater Hans Klauenbösch. In Dürrenäsch waren die drei Nachfolgegenerationen des Zweigbegründers Hans stets nur durch eine Familie vertreten. 1754 starb dort Hans Rudolf Klauenbösch als letzter Familienvater mit nur 29 Jahren an der Roten Ruhr. Der Zweig von Hirschthal aber, wo ein Caspar Klauenbösch um die Mitte des 18. Jahrhunderts als Schulmeister und Dorfweibel wirkte, blüht in- und ausserhalb des Dorfes bis heute. Im 20. Jahrhundert bürgerten sich Mitglieder des Geschlechts in Basel und in Zürich ein. Sonst gibt es heute schweizweit nur Hirschthaler Klauenbösch.